Royal Castle

Royal Castle

Warsaw Poland Schloss
At a glance
Name:Königliche Schloss Warschau
Ursprung:Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts
Ausbau zur heutigen Grundform:1598 bis 1619
Auftraggeber:König Sigismund III. Wasa
Architekturstil:Gotik, Renaissance, Frühbarock, Spätbarock und Klassizismus
Höchste Struktur:Sigismundturm, etwa 60 Meter
Anzahl Räume:ca. 300
UNESCO-Weltkulturerbe:seit 1980

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Background, facts and history

Königliches Schloss Warschau: Polens prachtvolle Königsresidenz

 

Lage: Das Königliche Schloss befindet sich am Schlossplatz im Herzen Warschaus. Es liegt am Eingang zur historischen Altstadt und nur wenige Gehminuten von der Weichsel entfernt.

Bedeutung: Das Königliche Schloss zählt zu den bedeutendsten und meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Warschaus. In den jüngsten landesweiten Besucherstatistiken belegte es unter den polnischen Schlössern regelmäßig den zweiten Platz hinter dem Wawelschloss in Krakau. Seine prachtvollen Innenräume und seine wertvolle Kunstsammlung mit Werken von Rembrandt und Bernardo Bellotto verbinden den Besuch einer königlichen Residenz mit dem Erlebnis eines bedeutenden Kunstmuseums.

Baugeschichte: Das Königliche Schloss entstand nicht während einer einzigen Bauphase, sondern entwickelte sich über mehrere Jahrhunderte hinweg. Seine Anfänge reichen bis in die Zeit um 1300 zurück, als die masowischen Herzöge an dieser Stelle eine befestigte Residenz errichten ließen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden die älteren Gebäudeteile zu einer großen, fünfflügeligen Schlossanlage mit einem geschlossenen Innenhof verbunden. Im 18. Jahrhundert ließ König Stanisław August Poniatowski die Residenz um prachtvolle Säle und königliche Gemächer erweitern und führte sie damit zu ihrem künstlerischen Höhepunkt.

Sigismund III.: Sigismund III. Wasa regierte von 1587 bis 1632 als König von Polen und Großfürst von Litauen sowie zeitweise als König von Schweden. Der Name „Wasa“ bezeichnet das schwedische Königshaus, aus dem er väterlicherseits stammte. Während seiner Herrschaft verlagerte sich das politische Zentrum Polen-Litauens dauerhaft nach Warschau, während Krakau weiterhin die Krönungsstadt der polnischen Könige blieb. Dadurch wurde das Warschauer Schloss zur wichtigsten königlichen Residenz und zugleich zum zentralen Schauplatz des Hofes, der Regierung und des Parlaments. Sigismund leitete damit die erste große Blütezeit des Schlosses ein und prägte dessen historische Bedeutung entscheidend.

Plünderung: Im Jahr 1655 besetzten schwedische Truppen Warschau und das Königliche Schloss, nachdem der König und sein Hof die Stadt verlassen hatten. Im folgenden Frühjahr begann die schwedische Verwaltung mit der planmäßigen Plünderung und Verwüstung der Residenz. Neben Gemälden, Skulpturen und Möbeln wurden sogar fest eingebaute Bestandteile wie Marmorböden, Kamine und Gartenbrunnen abtransportiert. Die ausgeräumten Schlossräume dienten anschließend als Lazarette und Pferdeställe, wodurch sie zusätzlich schwer beschädigt wurden. Als das Königspaar im Oktober 1657 nach Warschau zurückkehrte, war das Schloss unbewohnbar und die einstige Pracht der Wasa-Residenz weitgehend vernichtet.

Verfassung vom 3. Mai: Am 3. Mai 1791 verabschiedete das Parlament von Polen-Litauen im Senatorensaal des Königlichen Schlosses eine neue Verfassung. König Stanisław August Poniatowski war maßgeblich an ihrer Ausarbeitung beteiligt und unterstützte die Einführung der neuen Staatsordnung. Die Verfassung schaffte das Liberum Veto ab, mit dem ein einzelner Abgeordneter wichtige Beschlüsse verhindern konnte, und führte die Gewaltenteilung sowie eine erbliche Monarchie ein. Zudem stärkte sie die Rechte des Bürgertums und stellte die Bauern unter staatlichen Schutz. Sie gilt weithin als erste moderne schriftliche Verfassung Europas und nach der Verfassung der Vereinigten Staaten als zweite der Welt.

Absetzung des russischen Zaren: Am 25. Januar 1831 erklärten die im Königlichen Schloss versammelten Abgeordneten und Senatoren Zar Nikolaus I. für abgesetzt und entzogen ihm die polnische Krone. Das 1815 gegründete Königreich Polen war mit dem Russischen Kaiserreich verbunden, weshalb der russische Zar zugleich als König von Polen herrschte. Der Beschluss fiel während des Novemberaufstands, in dem sich polnische Aufständische gegen die russische Vorherrschaft und die wiederholte Missachtung ihrer Verfassung erhoben. Mit der Absetzung beendete der Sejm, das damalige polnische Parlament, die Verbindung zum russischen Herrscherhaus und machte aus dem Aufstand einen offenen Unabhängigkeitskrieg. Nach der Niederschlagung des Aufstands hob Nikolaus I. die polnische Verfassung und das Parlament auf, löste die eigenständige Armee auf und ließ bedeutende Räume des Schlosses ausräumen, verändern oder demontieren.

Zerstörung und Wiederaufbau: Im September 1939 wurde das Königliche Schloss durch deutsche Luftangriffe und Artilleriebeschuss schwer beschädigt, aber noch nicht vollständig zerstört. Während der deutschen Besatzung wurde das Gebäude systematisch geplündert. Im September 1944 sprengten deutsche Einheiten schließlich die verbliebenen Teile des Schlosses. Zuvor hatten Museumsmitarbeiter, Kunsthistoriker und Restauratoren zahlreiche Kunstwerke, Möbel und Bauteile geborgen, die später in das wiederaufgebaute Schloss zurückkehrten. Nach jahrzehntelangen Verzögerungen begann 1971 die Rekonstruktion, die durch Spenden aus Polen und von polnischen Gemeinschaften im Ausland finanziert wurde. Das 1984 für Besucher eröffnete Schloss vereint erhaltene Originalteile mit sorgfältig rekonstruierten Fassaden und Innenräumen. Heute gilt es als herausragendes Symbol für den Wiederaufbau Warschaus.

Aufbau: Das Königliche Schloss ist eine über Jahrhunderte gewachsene Anlage aus mehreren miteinander verbundenen Flügeln, die den unregelmäßig geformten Großen Schlosshof umschließen. Seine heutige Grundform entstand, weil mittelalterliche Bauteile schrittweise in spätere Erweiterungen einbezogen wurden. Den Haupteingang am Schlossplatz bildet der markante Sigismundturm, dessen Torbogen direkt in den Großen Schlosshof führt. Die Ostseite des Schlosses ist den Schlossgärten und der Weichselböschung zugewandt. Zum Schlosskomplex gehören außerdem die Königliche Bibliothek und die am Fuß der Böschung gelegenen Kubicki-Arkaden. Diese langgestreckte, überwölbte Anlage unterhalb des Schlosses diente ursprünglich als repräsentativer Durchgang zwischen der Residenz, den Gärten und dem Weichselufer.

Architektur: Die Architektur des Schlosses vereint Elemente der Gotik, der Renaissance, des Frühbarocks, des sächsischen Spätbarocks und des Klassizismus. Die vergleichsweise strenge Fassade zum Schlossplatz wird vom hohen Sigismundturm geprägt. Die reichere Ostfassade zur Weichsel besitzt dagegen den Charakter einer repräsentativen Palastfront. Backstein bildet das wichtigste Baumaterial und wird durch verputzte Fassaden, Naturstein, Holz und aufwendig gestaltete Metalldekorationen ergänzt.

Kunstsammlung: Das Königliche Schloss beherbergt heute eine bedeutende Sammlung europäischer und polnischer Kunst. Sie entstand aus geretteten Werken, Schenkungen, Rückkäufen und gezielten Neuerwerbungen. Zu ihren bekanntesten Schätzen gehören Rembrandts Gemälde „Mädchen im Bilderrahmen“ und „Der Gelehrte am Pult“, die Karolina Lanckorońska dem Schloss 1994 schenkte. Im Canaletto-Saal sind 23 detailreiche Ansichten Warschaus von Bernardo Bellotto zu sehen, die nach dem Zweiten Weltkrieg auch als wichtige Vorlagen für den Wiederaufbau der Stadt dienten. Werke von Marcello Bacciarelli und Jan Matejko veranschaulichen bedeutende Herrscher, Ereignisse und Wendepunkte der polnischen Geschichte. Möbel, Porzellan, Skulpturen und kostbare Textilien ergänzen die Gemälde und lassen die rekonstruierten Räume wieder wie eine königliche Residenz wirken.

Thronsaal: Der zwischen 1784 und 1786 unter König Stanisław August Poniatowski gestaltete Thronsaal zählte zu den prächtigsten Repräsentationsräumen des Schlosses. Seine dunkelroten Samtflächen waren mit 86 gekrönten Adlern geschmückt, die aus Silber- und Goldfäden, Perlen und Pailletten gefertigt waren. Sie verkörperten die Macht des polnischen Staates. Im Jahr 1939 raubten die deutschen Besatzer den gesamten Adlerschmuck. Erst 1991 kehrte eines der Originale in das Schloss zurück, nachdem Zygmunt Nagórski es aufgespürt, von seinem damaligen Besitzer erworben und dem Schloss geschenkt hatte. Der erhaltene Adler diente anschließend als Vorlage für die originalgetreue Rekonstruktion des gesamten Ensembles.

Sigismundsäule: Die 1644 vor dem Königlichen Schloss errichtete Sigismundsäule ist das älteste weltliche Denkmal Warschaus und eine der frühesten neuzeitlichen Ehrensäulen Europas, die einem weltlichen Herrscher gewidmet sind. Die Statue zeigt König Sigismund III. Wasa mit einem Säbel und einem Kreuz, die seine militärische Macht und seinen katholischen Glauben symbolisieren. Im Jahr 1944 traf ein deutsches Geschoss das Denkmal. Der steinerne Schaft zerbrach, und die bronzene Königsfigur stürzte zu Boden. Die originale Statue konnte jedoch gerettet und restauriert werden. Seit 1949 steht sie auf einem neuen Granitschaft, während die beiden älteren Säulenschäfte heute neben dem Schloss zu sehen sind.

UNESCO-Weltkulturerbe: Das Königliche Schloss Warschau gehört zum Historischen Zentrum von Warschau, das 1980 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde. Zum geschützten Ensemble zählen außerdem der Schlossplatz mit der Sigismundsäule, der Altstädter Markt, die Johanneskathedrale und die historischen Stadtmauern mit dem Barbakan. Auch das mittelalterliche Straßennetz sowie zahlreiche Kirchen, Paläste und rekonstruierte Bürgerhäuser sind Teil des Welterbes.

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